Chronik - MandolinenorchesterGeseke

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Chronik

Aus der Vereinsgeschichte
Anfang des 20. Jahrhunderts gab es in Deutschland eine Vielzahl von Wandergruppen. Auch in Geseke gab es solche Wandergruppen die zum Teil von Mandolinen und Gitarren musikalisch begleitet wurden. Dieses waren die Zupfmusikgruppen „Edelweiß" und „Waldfrieden".
Durch die Initiative von Heinrich Kühnast wurde im Jahre 1930 aus diesen Gruppen das Mandolinen-Orchester „Waldfrieden" gegründet. Es fanden sich Heinrich Kühnast, Bernhard Wieland, Alois Henneböhle, Karl Gardelegen, Bernhard Rohde, Paul Schlüter, Ernst Lemke, Walter Lemke, Franz Lipsmeier, Franz Schuster, Konrad Sauer, Franz Köllner, Otto Reimer, Paul Müller, Hoffmann und Schniedermeier zusammen, um etwas Neues in Sachen Zupfmusik zu beginnen.
In diesen Gruppen reifte der Gedanke mehr als nur Wanderlieder zu spielen. Man wollte die Zupfmusik, die damals mehr als Haus- und Wandermusik galt, innerhalb eines Orchesters pflegen um sie so der Öffentlichkeit vorzustellen.
Heinrich Kühnast, ein Musikgebildeter und erfahrener Mann in der Zupfmusik, erläuterte die Möglichkeiten und Aufgaben eines Orchesters. Es sollte ein Orchester sein, in dem die einst so beliebten Wanderlieder wie "Das Wandern ist des Müller's Lust" oder "Horch was kommt von draußen rein", ebenso gespielt werden sollten wie Originalwerke für Zupforchester. Heinrich Kühnast wurde dann auch die Leitung des Orchesters übertragen.

Die erste Generalversammlung nach der Gründung fand am 28. Mai 1932 statt.
Dass die Anfänge besonders schwer waren, ist dem Protokoll dieser Generalversammlung über den Tagesordnungspunkt" Übungsabende" zu entnehmen. Da heißt es: "Für Mitglieder, die keine Notenkenntnisse besitzen, sich aber weiterbilden wollen, sind Übungsabende auf Dienstag und Freitag festgelegt". Hieran lässt sich erkennen, dass das Orchester damals vornehmlich eine Laienspielschar war, welche die "Musik nach Gehör" wohl beherrschte, die "Musik nach Noten" aber weniger. In dieser Generalversammlung wurde Heinrich Kühnast wieder als Leiter und als 1. Vorsitzender gewählt; als Schriftführer und Kassierer Paul Schlüter. 
Das Eintrittsgeld und der monatliche Beitrag wurden auf 15 Pfg. festgesetzt. Als Vereinslokal wählte man die Gaststätte Josef Engels, Elfruthen. Mit den Räumen dieser Gaststätte ist, ebenso wie mit den nachfolgenden Inhabern Anton Bertelsmeier und Willi Bürger, ein Stück Geschichte des Mandolinen-Orchesters Geseke verbunden; denn mehr als 25 Jahre hat das Mandolinen-Orchester in den Räumen dieses Hauses geprobt und gearbeitet. Durch stetig steigende Mitgliederzahlen war es später nicht mehr möglich, in den doch etwas beengten Räumen dieser Gaststätte die Orchesterarbeit weiterzuführen, und ein Ausweichen in größere Räumlichkeiten wurde unumgänglich. Im Herbst 1932 wurde, zusammen mit dem Mandolinen-Orchester Lippstadt, erstmals ein öffentliches Konzert aufgeführt. Die aktive Mitgliederzahl betrug 12 Personen.
Infolge des Zeitgeschehens von 1933 ist aus dieser Zeit wenig vom Orchester zu berichten. In einer Versammlung im September 1933 wurde Bernhard Wieland zum 1. Vorsitzenden gewählt.
Die Beiträge setzte man von 15 Pfg. auf 10 Pfg. herab, was die schlechten wirtschaftlichen Verhältnisse dieser Zeit deutlich zum Ausdruck bringt.
In den folgenden Jahren, bis zum Beginn des zweiten Weltkrieges, pflegte man Kameradschaft und Orchesterarbeit, musizierte, unternahm Wanderungen und Ausflüge, gestaltete Sommerfeste mit Vogelschießen und dergleichen. Bei Veranstaltungen anderer Vereine schuf das Mandolinen-Orchester oftmals den musikalischen Rahmen. Die Zahl der Mitglieder war inzwischen auf 44 Personen angestiegen.
Die Wirren des Krieges mögen Schuld daran sein, dass das Mandolinen-Orchester in dieser Zeit kaum mehr in Erscheinung trat. Das Vereinsleben kam aber nicht ganz zum Erliegen; denn Heinrich Kühnast, das sei hier ausdrücklich erwähnt, bildete weiter Mandolinen- und Gitarrenspieler aus und pflegte in kleinem Kreis und besonders in seiner Familie die Zupfmusik.
Nach dem Zusammenbruch des Dritten Reiches begann Heinrich Kühnast mit dem Wiederaufbau des Orchesters. Von den 16 Spielern, die den Verein gegründet hatten, waren noch Heinrich Kühnast, Ernst Lemke und Konrad Sauer verblieben. Aber schon 1946 konnten weitere acht Mitglieder eingeschrieben werden.
Im Jahre 1951 fand die erste Generalversammlung nach dem Kriege statt, in der wieder ein ordentlicher Vorstand gewählt wurde. Den Vorsitz übernahm Ernst Lemke, Heinrich Kühnast die Spielleitung. Die Kassengeschäfte führte Konrad Sauer. 1952 wurde das erste öffentliche Konzert nach dem Kriege aufgeführt. In gebührender Weise feierte das Orchester 1955 sein 25jähriges Bestehen. Am Vormittag des 2. Weihnachtstages fand im Casino der Gaststätte Linneweber, Kleiner Hellweg, eine Jubiläumsfeier statt. Abends wurde im ausverkauften Saale Linneweber ein Festkonzert unter Mitwirkung des Männergesangvereins "Sängertreu" Geseke aufgeführt. Dadurch, dass besonders die Jugend immer mehr Interesse an der Zupfmusik zeigte und Dank unermüdlicher Schaffenskraft von Heinrich Kühnast, bildete sich mittlerweile das größte Jugendzupforchester Westfalens. In Anerkennung seiner jugendpflegerischen Arbeit wurde das Mandolinen-Orchester Geseke 1956 in den Stadtjugendring aufgenommen. Im gleichen Jahr fand das Orchester Aufnahme im Bund Deutscher Zupfmusiker.

Als einen Höhepunkt der 60er Jahre ist die Mitwirkung des Mandolinen-Orchester bei einer musikalischen Veranstaltung in der Rudolf-Oetker-Halle in Bielefeld im Jahre 1962 verzeichnet. Für alle Mitwirkenden war diese Veranstaltung ein großes Erlebnis.
 
Zum Herbstkonzert im Jahre 1965 konnte zum ersten Mal der in Zupfmusikerkreisen bekannte Willi Althoff aus Dortmund in Geseke begrüßt werden. Auf dem Konzertprogramm standen u. a. auch einige Kompositionen von ihm. Dieses Herbstkonzert lässt Heinrich Kühnast, der bislang die gesamte Spielleitung führte, zum Teil von seinem Schüler, dem jungen Hans Simper, dirigieren. Hiermit wurde Hans Simper zum ersten Mal der Öffentlichkeit als zukünftiger Spielleiter vorgestellt. Zu Beginn des Jahres 1967 übergab Heinrich Kühnast dann die gesamte Stabführung an Hans Simper. Mit seinem ersten Konzert "Heitere Musik zum Wochenend" ernteten er und seine Musikanten großen Beifall.
Heinrich Kühnast aber stand dem Orchester weiter mit Rat und Tat zur Seite. Insbesondere widmete er sich der Ausbildung neuer Zupfmusiker. Das Orchester war mittlerweile auf rund 100 Mitglieder angewachsen und das größte seiner Art im Bundesgebiet. In ehrenvoller Anerkennung um die Verdienste der deutschen Zupfmusik wird Heinrich Kühnast vom Bund Deutscher Zupfmusiker die Goldene Ehrennadel verliehen. Sein Sohn Heinz erhält für 30 Jahre Treue zur Zupfmusik die Silberne Ehrennadel.
Im Hinblick auf das 40-jährige Bestehen waren die Jahre 1969/1970 besonders arbeitsreich. Zur Jubiläumsfeier zum 40-jährigen « am 3. Oktober 1970 hatte das Mandolinen-Orchester alle ehemaligen Mitglieder in das "Feldschlösschen" geladen. Neben Freunden und Gratulanten waren erstaunlich viele »Ehemalige« dieser Einladung gefolgt - und nach der Aufforderung durch Heinrich Kühnast: "Bitte mal aufzeigen, wer bei mir gelernt hat", mussten wohl dreiviertel der über zweihundert Besucher den Arm erheben. Eine besondere Freude für Heinrich Kühnast, so viele seiner früheren Schüler wieder zusehen, und ein Beweis dafür, dass über Jahre hinaus noch eine Beziehung zur Zupfmusik bestehen bleibt. Die Akteure des Vereins hatten diesmal ihre Instrumente zu Hause gelassen und konnten sich an den vorzüglichen Darbietungen der Mandolinen-Konzert-Gesellschaft Herne erfreuen.
Solche Feiern sind natürlich immer Anlass, verdiente Aktivisten zu ehren, und so konnte der Dirigent der MAKOGE Herne, Kühn, als Vertreter des Bundes Deutscher Zupfmusiker, Heinrich Kühnast mit dem Ehrenblatt in Gold des BDZ auszeichnen. Ernst Lemke als Mitbegründer erhielt die Ehrennadel in Gold. Für 25 Jahre Vereinstreue wurden Hans Deymer, Artur Kühnast und Josefa Mattenklotz mit der Silbernen Ehrennadel ausgezeichnet.
Als Abschluss der Jubiläumsfeierlichkeiten fand am 31. Oktober ein Festkonzert statt. Die Besucher konnten die Uraufführung der Althoff-Komposition "Festliches Vorspiel", ein Geschenk des Komponisten an den Verein, miterleben. Selbstverständlich war auch Willi Althoff erschienen, um bei der Uraufführung seines Werkes dabei zu sein. Das Lob aus seinem Munde wie auch das von anderen Kritikern war für alle Mitwirkenden eine Bestätigung ihrer geleisteten Arbeit. Das Jubiläumsjahr war noch nicht vorüber, als die Arbeiten für einen gemeinsamen Volksliederabend mit dem damaligen Städtischen Frauenchor und dem Männerchor "Cäcilia" - Geseke begannen. Die Aufführung am 7. November 1971 wurde von den Zuhörern begeistert aufgenommen.
Heinrich Kühnast konnte noch in dem selben Jahr seinen 70. Geburtstag begehen. Trotz seines Alters ist er noch immer in der Ausbildung und im Orchester tätig.
 
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